Feb 222012
 

Jetzt ist es soweit: Aschermittwoch und Beginn der Fastenzeit. Auch wenn die Fastenzeit wohl für die meisten spurlos vorübergeht, nutzen sie doch viele, um gewisse Vorsätze umzusetzen. Manche verzichten auf Alkohol, andere trotzen den Süßigkeiten und wieder andere reduzieren einfach den täglichen Kaffeekonsum.

Plastiksackerl, Quelle: www.umweltschutz.co.at

Egal, ob ihr das Ganze für Unsinn haltet oder selbst eigene Vorsätze verfolgt – eigentlich bietet die Fastenzeit auch wieder einen guten Anlass um über das Energiesparen und den eigenen Müllberg nachzudenken.
Ich bin immer wieder verwundert wie viel Müll ich produziere, obwohl ich brave Mülltrennerin bin. Besonders die „Sackerlwut“ bei uns finde ich wirklich besorgniserregend. Nach ein paar Einkäufen hat man – normalerweise – und ohne Anstrengung vier oder fünf neue Plastiksackerl mit nach Hause geschleppt!
Deshalb versuche ich immer mein eigenes bzw. meine eigenen Sackerl bereits mitzunehmen. Da man normalerweise in jedem Geschäft „be-sackerlt wird und damit täglich Berge an Plastik an Mann und Frau gebracht werden, finde ich das folgende Forschungsprojekt umso besser.

Seit Jänner 2010 forschen elf europäische Institutionen unter der Leitung der TU Graz an Plastik, der aus Schlachtabfällen gewonnen wird. Die Ausgangslage für das Team um Projektleiter Martin Koller war die Frage welcher Rohstoff sich für die Produktion von Bio-Kunststoffen eignet bzw. verfügbar ist. Dass man hierbei auf fossile Brennstoffe verzichten wollte, verstand sich von selbst.

Martin Koller, Quelle: online.tugraz.at

Schließlich dachte die Gruppe vom Institut für Biotechnologie und Bioprozesstechnik der TU Graz an die Abfälle der industriellen Fleischproduktion. Denn jährlich fallen in Europa etwa eine halbe Million Tonnen an Fettabfällen, sogenannten Lipiden, an.
Noch wird der Großteil davon verbrannt. Aber aus einer Tonne dieser Lipide könnten bereits 0,7t Biokunststoffe gewonnen werden. Damit aus Fetten Bio-Kunststoff wird, werden Bakterien eingesetzt, die den Ausgangsstoff für die Bio-Polymere produzieren, aus welchen im weiteren Verfahren wiederum der Bio-Kunststoff hergestellt wird. So könnte mittels dieses Verfahrens aus Abfällen Bio-Kunststoff produziert werden, dessen großer Vorteil nicht nur im bloßen Fakt besteht, dass „Müll recycelt wird, sondern auch in jenem Umstand, dass der spezielle Kunststoff mit anderen biologischen Stoffen kompatibel ist.

Was bedeutet das nun konkret?
Die Verträglichkeit mit anderen biologischen Stoffen rückt den Bio-Kunststoff nämlich auch für ganz andere Bereiche in den Blickpunkt des Interesses. Denn aufgrund dieser Verträglichkeit bietet sich das Produkt sozusagen für Implantate oder auch zur Verwendung als Nahtmaterial an!
Die EU unterstützt dieses Projekt namens ANIMPOL, das bis Ende dieses Jahres weiterläuft, mit drei Millionen Euro. Im Anschluss an das Forschungsprojekt soll eine Pilotanlage gebaut werden, in welcher das neue Verfahren dem Praxistext unterzogen wird. Den notwendigen Schlachtabfall stellt dabei die Firma Reistenhofer, ein steirisches Unternehmen, zur Verfügung.

Wer weiß, vielleicht tragen wir unsere Einkäufe bald in Bio-Sackerln nach Hause. So könnte der Abfall sinnvoll genutzt und die Umwelt geschont werden. Aber auch die mögliche Verwendung im medizinischen Bereich klingt sehr vielversprechend! Da bleibt mir nur zu sagen: echt fettJ!

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