Neue Technologie in der Kunststoffverarbeitung spart Zeit und Geld

Gerhard Zanghellini; Quelle: Invicon chemical solutions

Wir benutzen sie täglich, ohne uns Gedanken darüber zu machen: Kunststoffe und Metalle in jeder erdenklichen Form sind aus unserem Alltag nicht mehr wegzudenken. Vom Schreibtisch an dem wir sitzen, über die Computer-Tastatur bis zur Abdeckung der Kaffeemaschine – die Materialien umgeben uns fast überall. Aber wie werden diese Dinge eigentlich hergestellt? Gefertigt werden die jeweiligen Formen mit speziellen, so genannten Formwerkzeugen. Das sind meist riesige Maschinen, mit vielen kleinen Teilen. Ist so ein großes Werkzeug defekt, muss das schadhafte Element zur Reparatur meist ausgebaut werden. Das kostet für die Betreiber Zeit und Geld. Das Unternehmen Invicon Chemical Solutions, mit Sitz in Lustenau, Vorarlberg, hat deshalb hierfür eine völlig neuartige Reparatur-Technologie entwickelt, bei der ein Ausbau nicht mehr notwendig ist. Produktionsausfälle oder aufwändiges Nacharbeiten lassen sich so auf ein Minimum reduzieren.

Ein Formwerkzeug hat zumeist eine oder mehrere Schablonen. Beim Spritzgussverfahren zum Beispiel, wird der flüssige Kunststoff in diese Schablone eingegossen und durch zusammenpressen in Form gebracht. Diese Werkzeuge sind hochsensibel und selbst kleinste Schäden, zum Beispiel durch verkratzen, können schon erhebliche Mängel am fertigen Produkt anrichten. Daher müssen die beschädigten Stellen sofort repariert werden. Dazu wird das Element bisher aus dem Formwerkzeug ausgebaut, was meistens einen Produktionsstopp zur Folge hat. Das neue Reparaturmaterial wird dagegen direkt im Werkzeug auf die Schadstelle aufgespritzt und mit Licht verhärtet. Ohne das Werkzeug auszubauen, lässt sich in naher Zukunft die Reparatur in nur fünf gezielten Schritten durchführen.

Schadstelle; Quelle: Invicon chemical solutions

„Es gibt viele Methoden zur Reparatur von Formwerkzeugen. Meistens müssen die schadhaften Teile aber ausgebaut und andernorts repariert werden. Beim Einsatz von Ersatzteilen besteht zudem oft das Problem, dass manches nicht sofort passt. Das alles bedeutet Produktionsunterbrüche“ so der Entwickler des Verfahrens, Gerhard Zanghellini, Managing Director Technology. Dieses neue Verfahren, auf der Basis von lichthärtenden Composite Materialien (Verbundwerkstoffen) kann in Zukunft Reparaturprozesse maßgeblich verkürzen und die Folgekosten minimieren. Ein Verbundwerkstoff verbindet mehrere Materialien so miteinander, dass sie trotzdem wieder einfach zu trennen sind und sich nicht vermischen.

Die Basistechnologie kommt übrigens aus der Dental-Medizin!  Zahnärzte schließen zum Beispiel kariöse Defekte in hoher funktioneller und ästhetischer Qualität mit dem Einsatz von lichthärtenden Verbundmaterialien. Die Firma Invicon hat im Rahmen eines Technologietransfers diese Technik einfach weiterentwickelt und für ihre Zwecke genutzt.

Schadstelle; Quelle: Invicon chemical solutions

Im Rahmen der Erfindung gibt es bereits intensive Kooperationen mit der deutschen Universität in Jena, vor allem im Bereich der Materialentwicklung. Die dazu notwendigen Praxistests in Versuchswerkzeugen erfolgten bei der Schweizer Firma Noventa. Invicon chemical solutions hat ein österreichisches Patent bereits erhalten und ein Europäisches Patent angemeldet. Jetzt werden Partner aus Wissenschaft und Praxis gesucht!

Über manche Dinge in unserer Umgebung machen wir uns einfach keine Gedanken – sie sind sebstverständlich. Aber es lohnt sich doch immer mal wieder hinter die Kulissen zu schauen und Zusammenhänge zu entdecken!

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