Jun 282012
 

Memobil.at

Viele von Ihnen haben bzw. hatten schon mal demente Angehörige und wissen natürlich so auch welche Schwierigkeiten sich bei der Kommunikation ergeben können. Oft weiß man nicht genau wie man in Kontakt mit den Angehörigen kommen soll.

Abhilfe schaffen jetzt zwei junge Leute aus der Design und Architekturbranche. Zusammen mit Experten und Pflegerinnen haben sie das sogenannte MEMOBIL entworfen.

Ab heute wird ein etwas anderes Möbelstück auf die Station im Pflegeheim gebracht. Aussehen tut es wie eine alte Küchenkredenze auf Rädern, ist aber viel mehr als nur ein Einrichtungsgegenstand. Das Memobil wurde für demente Menschen entwickelt und hat einiges auf dem Kasten. In seinem Inneren befinden sich mehr als 150 verschiedene Gegenstände, die einst im Alltag der Menschen eine große Rolle gespielt haben.  Mit Hilfe des Memobil´s und seiner Gegenstände, wie beispielsweise Kräuterkissen, Knöpfe oder Fransen, sollen demente Menschen zum Erinnern und Sprechen angeregt werden. Demente haben meist ein relativ intaktes Langzeitgedächtnis. Wenn man dieses aktiviert, findet man oft leichter Zugang  zu ihnen als über das Hier und Jetzt.

Alltagsutensilien von früher als Brücke zum Gedächtnis – das ist in der Pflege nichts Neues. Neu ist, dass solche Gegenstände in einem multifunktionalen Möbelstück  zugänglich sind. Es ist ein gelungenes Stück und macht im ersten Einsatz auch sehr viel Freude bei den Bewohnern. Zum Teil sind es auch sehr berührende Situationen, die die Pfleger erleben durften.

Entwickelt wurde das Memobil von einem Team aus Pflege und Design. Die Form der alten Küchenkredenz  wurde deshalb gewählt, weil damals wie heute Kommunikation oft in der Küche stattfindet. Sowohl Form als auch Inhalt des Memobil´s sind komplett durchdacht.

Der Architekt Alexander Hagner und der Consulter Andreas Kristof haben zwei Jahre lang  am Design und Inhalt des Memobils getüftelt. Die Idee dazu entstand aus persönlicher Betroffenheit. Fast alle im Entwicklungsteam haben Angehörige mit Demenz und so war es für das junge Team bei der Planung etwas leichter sich in die Bedürfnisse von dementen Personen einzufühlen.

Consulter Kristof erzählt: „Die Zeit, die man mit den dementen Angehörigen verbringt, ist oft eine Zeit des Schweigens. Es ist eine Zeit, wo einem Instrumente fehlen, mit denen man Kommunizieren kann. Die Gegenstände sind zwar in den Einrichtungen vorhanden, stehen den Angehörigen allerdings nicht zur Verfügung.“

Deshalb sind im Mobil solche Kommunikationsstützen für jeden griffbereit. Bei solch einem Projekt sei das Design viel wichtiger als bei manch anderen Projekten.  „Denn das Desing sollte ja Erinnerungen wecken“, sagt Herr Hagner.

Ob sich angesichts der knappen Kassen viele Pflegeheime die Investition in das rund € 30.000 teure Möbel leisten können, ist fraglich. Faktum ist aber, dass sich immer mehr Branchen mit dem Thema Pflege beschäftigen und das nicht nur, weil es ein zukunftsträchtiger Markt ist. Sondern auch, weil jeder alt wird und sich dafür ein möglichst angenehmes Umfeld wünscht. In diesem Sinne kommt das Memobil in jedem Fall gut an!

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