Weinbergschnecken. Ein Wiener hat die Schnecken wiederentdeckt

Er hat Schnecken wiederentdeckt. Foto: Lukas Ilgner für Falter / Best of Vienna

Der Fleischverbrauch in den Industrieländern liegt seit Jahren, ja Jahrzehnten zu hoch. Das ist keine Neuigkeit und die ökologischen Auswirkungen dieses Umstands sind auch bekannt. Weniger Fleisch auf den Teller zu bringen, sollte die Devise heißen. Ein vollständiger Verzicht fällt allerdings schwer. Andreas Gugumuck hat sich selbst vorgenommen weniger Fleisch zu essen, bietet dabei aber selbst eine Alternative an, welche der Umwelt nicht zu Lasten fällt.

Bei seiner Zucht tummeln sich etwa 20.000 Tiere auf nur 1.500 Quadratmeter. Unmöglich? Nein. Zahlensturz? Überraschenderweise, ebenfalls nein. Gugumuck hat sich nämlich der Weinbergschneckenzucht verschrieben.

Schnecken werden in vielen Ländern verzehrt – übrigens bereits zu antiken Zeiten. Vielleicht nicht vielen ist dabei geläufig, dass Wien bis ins frühe 20. Jahrhundert selbst eine Hochburg für Schnecken gewesen ist. Ein Umstand, der die Schnecken als Speise attraktiver machte, war die Erlaubnis des Klerus diese auch in der Fastenzeit zu essen. Deshalb existiert eine Vielzahl an alten Rezepten, welche köstliche Schneckengerichte beschreiben. In diesem Sinne ruft Gugumuck Ende September alljährlich zum Schneckenfestival auf.

Der Geschmack: nussig & kalbsähnlich

„Schnecken könnten die Welt ernähren“, erklärt der Schneckenzüchter. Auf 1.500 Quadratmeter werden jährlich 1 Tonne Muskelfleisch produziert. Den Vergleich mit der Rinderzucht braucht Gugumuck nicht zu scheuen, sieht seine CO2-Bilanz doch um einiges besser aus! Das Schlachten selbst gestaltet sich harmlos. Die in Schockstarre verfallenen Tiere werden binnen einigen Sekunden in kochendem Wasser getötet. Der Wiener ist sich sicher: „Wenn die Konsumenten wüssten, wie Fleisch in der Massentierhaltung erzeugt wird, würden es viele nicht mehr essen.“ Allein mit der Akzeptanz hat der ambitionierte Schneckenzüchter zumindest bei uns  noch etwas zu kämpfen. Während in Frankreich und Italien Weinbergschnecken als Delikatesse eingestuft werden, ist hierzulande die Skepsis leider noch groß. Geschmacklich überzeugen die Schnecken, wie Gugumuck erklärt mit ihrem nussigen, kalbähnlichen Geschmack.

Einige heimische Topgastronomen haben die Weinbergschnecke wieder in ihr Sortiment aufgenommen und, dass die Nachfrage langsam steigt, zeigt alleine bereits die Konkurrenz, denn inzwischen sind einige weitere Schneckenzüchter auf dem Markt.

1 Kommentar

  1. Froschschenkel und Weinbergschnecken? Ich denke, man muss nicht alles übernehmen aus der haute cuisine française.

    Im Übrigen stehen Weinbergschnecken inzwischen auf der Roten Liste (Anlage 1 zur Bundesartenschutzverordnung) und sind besonders geschützt. In freier Natur dürfen sie in Deutschland nicht mehr gesammelt werden.

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