Okt 212010
 

Gedrängel in der Fußgängerzone, wildes Gehupe und dazwischen risikofreudige Radfahrer, die das Verbot rechts zu überholen nicht allzu ernst nehmen – das sind Alltagsbilder rund um den Marktplatz vieler Städte und Gemeinden. Nicht so in Enns, in Oberösterreich. Hier wird auf gegenseitige Rücksichtnahme gesetzt – ganz nach dem cittaslow Prinzip.

Cittá slow; Quelle https://www.tse-enns.at

Dieses Prinzip besagt nichts anderes, als dass alle Verkehrsteilnehmer – Fußgänger, Auto- und Radfahrer – gleichberechtigt sind, gegenseitig aufeinander achten, sich den Verkehrsgegebenheiten anpassen und durch Blickkontakt verständigen. Entstanden ist das Grundprinzip 1997 in Italien. Mittlerweile gibt es weltweit verschiedene Städte und Gemeinden, die sich daran halten. Enns war die Erste Stadt in Österreich, die das Konzept umgesetzt hat. Die Regionalkultur soll gestärkt werden und Bürger bekommen so ein neues Bewusstsein für ihre Stadt.

“ Es gibt viele Diskussionen und Kritiken zu unserem Konzept. Aber wenn diskutiert wird, dann lässt man sich auch eher auf den Gedanken ein und nimmt gerne Rücksicht auf andere“, so Bürgermeister Stefan Karlinger. In Enns wurde sogleich die Fußgängerzone wieder abgeschafft, weil die Zugänge viel zu eng waren. Hier dürfen jetzt sogar Autos fahren, mit der Höchstgeschwindigkeit von 20km/h. So wurde der Marktplatz wieder viel belebter und es siedelten sich zusätzlich neue Geschäfte an. “ Wir sagen nein zur Fußgängerzone: seit die Leute wieder mit dem Auto herfahren können, hat sich unser Umsatz deutlich gesteigert“ sagt Frau Susanne Eberl, Unternehmerin.

Das Konzept fördert aber nicht nur das Miteinander, sondern auch den Umweltschutz, da bei geringerer Geschwindigkeit auch weniger CO2 ausgestoßen wird. So wurden die Autos nicht aus der Stadt verbannt und trotzdem für ein friedliches Nebeneinander gesorgt. Gleichzeitig tun die Ennser aber noch mehr für die Umwelt: mit dem wöchentlichen Bauernmarkt werden Produkte aus der Region verkauft und lange Transportwege gespart. Wieder ein Plus für die Natur! So profitieren alle davon und die Ennser Schüler haben dafür eigens einen Schulweg-Rap erfunden. Ausgestiegen wird bei den praktischen Elternhaltestellen und von dort geht’s zu Fuß in die Schule.

Umweltschutz und Gesellschaftsförderung – das sind gute Gründe dafür, warum das Konzept der Stadt Enns eines von vier nominierten Projekten beim österreichischen Klimaschutzpreis 2010 ist und zwar in der Kategorie Regionen & öffentlicher Raum. Morgen abend kann für diese Kategorie abgestimmt werden, im ORF bei Konkret TV.

Schnecke; Quelle: https://www.enns.at

Die Ennser haben das Konzept für sich umgewandelt und die Schnecke als Symbol für das gemäßigte Fahrverhalten auserkoren. Unter dem Motto „Zeit fürs Leben“, sind sogar die meisten Verkehrsschilder aus der Innenstadt verschwunden und der Schnecke in verschiedenen Formen gewichen. Hotelgäste erwartet bei ihrem Besuch Gebäck in Schneckenform, um sich gleich auf das Lebensgefühl einzustellen. Am 28.10.2010 soll sogar ein Weltrekord gestartet werden: die älteste Stadt Österreichs möchte die längste Schnecke der Welt, aus liegenden Menschen, bilden.

  One Response to “Umweltfreundliches Schneckentempo – ein gemeinsames Miteinander”

Comments (1)
  1. die Leute sollen keine Fahrräder (wie Licht, Reifen, Bremsen, Schaltung) und Sachen kaputt machen und nichts stehlen

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