Apr 262019
 

Bei hohen Temperaturen im Büro oder zu Hause ist das Anschalten eines Ventilators eine der effizientesten Maßnahmen, um sich etwas Abkühlung zu verschaffen. Interessanterweise ist der angenehm kühlende Lufthauch ein Nebenprodukt, denn Ventilatoren wurden vorrangig für den Luftaustausch entwickelt. Die ursprüngliche Version unserer modernen Ventilatoren ist in der Schifffahrt zu finden.

Im weitesten Sinne können auch Fächer aus Papier, Stoff oder Palmenwedeln als Vorläufer der Ventilatoren angesehen werden. Zumindest, wenn man den Aspekt der Kühlung in den Vordergrund stellt. Denn anders als moderne Ventilatoren tauschen Fächer die Luft im Raum nicht aus. Sie bewegen lediglich die feuchte Luft über dem schwitzenden Körper, sodass er mehr Wärme abgeben kann. Dadurch entsteht ein Kühlungseffekt, ohne dass tatsächlich ein Austausch von warmer gegen kalte Luft stattfinden würde.

Dass es notwendig wurde, eine Vorrichtung zu erfinden, die Luft austauscht, hat damit zu tun, dass Menschen sich im Lauf der Jahrhunderte immer öfter und immer länger in geschlossenen Räumen aufhielten. Die Entwicklung von Fensterglas verhinderte, dass durch Sichtöffnungen im Mauerwerk frische Luft in die Räume hinein- und verbrauchte nach draußen strömte. Das Problem in geschlossenen Räumen ist, dass der Kohlendioxid-Gehalt steigt, wenn sich längere Zeit viele Menschen darin aufhalten: Der Gehalt an Sauerstoff sinkt, die Luft wird im wahrsten Sinne des Wortes „dünn“. Kohlendioxid entsteht ganz natürlich bei der Atmung. Beim Einatmen nimmt der Körper Sauerstoff auf und beim Ausatmen gibt er Kohlendioxid ab.

Heute kann man es sich kaum mehr vorstellen, aber im 18. Jahrhundert stellte Kohlendioxid-gesättigte Luft in geschlossenen Räumen, in denen sich sehr viele Menschen aufhielten, ein echtes Problem dar – beispielsweise in Krankenhäusern, Bergwerksgruben und ganz besonders in der Schifffahrt. Auf den langen Fahrten nach Übersee drängten sich die Passagiere dicht an dicht im Rumpf des Schiffes, schnell sank der Sauerstoffgehalt in der Luft, der Kohlendioxidgehalt stieg entsprechend an. Sauerstoffarme und kohlendioxidreiche Luft kann zu Symptome wie Kopfschmerzen, Müdigkeit und Schwindelgefühl bis hin zu Atemnot und Ohnmacht führen. Eine Belüftung der Schiffsräume unter Deck war nicht möglich und so kam es auf langen Schiffspassagen immer wieder zu Todesfällen unter den vielen unter Deck untergebrachten Menschen.

Mithilfe von handbetriebenen Radventilatoren versuchte man, die „verbrauchte“ Luft aus dem Schiffsrumpf nach draußen zu befördern und frische Außenluft gewissermaßen in die Schiffsräume hineinzupumpen. Darauf folgten Mitte des 19. Jahrhunderts Lüftungsvorrichtungen, die wie ein großer Blasebalg funktionierten. Einer Erhöhung des Komforts dienten diese Vorrichtungen allerdings nicht, der dabei entstehende Luftzug wurde eher als unangenehm empfunden. Mit der Möglichkeit, Maschinen mittels Elektrizität anzutreiben, kamen gegen Ende des 19. Jahrhunderts schließlich auch die ersten Deckenventilatoren für den Hausgebrauch auf.

Vom Fächer über Radventilatoren auf Schiffen bis hin zu modernen Systemen, die für frische und saubere Luft sorgen, indem sie Schadstoffe aus ihr herausfiltern: Die Erfindung des Ventilators ist nur ein Teil einer jahrhundertelangen Entwicklungsgeschichte, in der Menschen danach strebten, mithilfe innovativer Gerätschaften die Luftqualität in geschlossenen Räumen zu verbessern. Die Geschichte des Ventilators zeigt, dass Erfinder oft auf den Ideen von anderen aufbauen – und dass man eine gute Erfindung stets noch etwas besser machen kann.


Bildrechte: Flickr Rowenta Fan On Mode The Sleep Judge CC BY 2.0 Bestimmte Rechte vorbehalten

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