Mrz 232018
 

In den OECD-Ländern leiden immer mehr Menschen an Übergewicht und Fettleibigkeit. Das geht aus den neuesten Daten der OECD hervor, die in dieser PDF-Datei abrufbar sind. Nicht zuletzt das Thema Barrierefreiheit spielt für Betroffene eine große Rolle.

Wer stark übergewichtig ist, hat es im Leben wortwörtlich schwerer. Alltägliche Dinge, die für Normalgewichtige selbstverständlich sind, können adipöse Menschen oft gar nicht bewältigen, oder nur mit viel Mühe. In vielen Bereichen sind sie auf Sonderanfertigungen nach Maß angewiesen. Zum Glück erkennen auch Entwickler, Ingenieure und Unternehmer langsam diese Probleme. Viele neue Erfindungen und Initiativen erleichtern heute das Leben mit starkem Übergewicht.

Im Alltag: XXL-Produkte im Kommen

Vor allem dank spezialisierter Onlineshops finden Menschen mit größerem Leibesumfang heutzutage schnell Produkte, die auf ihre Maße zugeschnitten sind. Das fängt bei Plus-Size-Kleidung an. Anbieter von Modeartikeln für Frauen jenseits der Kleidergröße 42, wie Ulla Popken sind eine beliebte Alternative zu den Übergrößenabteilungen im stationären Handel. Nicht zuletzt dem Internet und den vielen Plus-Size-Modebloggern ist es zu verdanken, dass die Mode und das Auftreten molliger Menschen einen Wandel in der öffentlichen Wahrnehmung erfahren haben – Stichwort „Body positive“.

Neben Kleidung stellen auch Möbel im Alltag übergewichtiger Menschen ein Problem dar. Die Sitze sind zu eng, die Betten zu instabil. Auch hier wird zunehmend Abhilfe geschaffen. So hat der Berliner Ralf Strobbe, der selbst stark zunahm und auf keinen normalen Stuhl passte, zusammen mit einer Tischlerei ein patentiertes System für einen XXL-Stuhl zum entspannten Sitzen in jeder Größe entwickelt. Das Besondere: „Der Thron“ ist nicht nur bequem, sondern kann auch therapeutisch eingesetzt werden. Er lässt sich mit wenigen Handgriffen auf- und abbauen, ganz ohne Schrauben. Die um elf Grad geneigte Rückenlehne bewirkt, dass die inneren Organe nicht eingeengt werden.

In der Klinik: Adipositas-Lösungen für Patienten

Sonderanfertigungen sind auch dringend bei der Ausstattung in Krankenhäusern, auf Pflegestationen, oder bei Rettungseinsätzen gefragt. Wenn extrem adipöse Menschen nicht mehr mobil sind, müssen sie unter extremem Krafteinsatz gehievt, geborgen, transportiert oder gelagert werden. Dafür braucht es nicht nur kräftiges Pflegepersonal, sondern auch spezielle Liftsysteme, Rettungstragen mit größerer Auflagefläche, breitere Rollstühle und Betten, stabilere OP-Tische und spezielle Anpassungen im Sanitärbereich. Es gibt mittlerweile Anbieter auf dem Markt, die speziell auf adipöse Patienten zugeschnittene Produkte anbieten, die diese sowohl unterstützen als auch die Mobilität und Selbständigkeit fördern sollen. Die Sanitärserie von HEWI z. B. verfügt über eine Stützlast von bis zu 300 kg. Auf der Unternehmensseite gibt es außerdem Tipps für die Planung von Bädern für Adipositas-Patienten. Aber es wird auch medizinische Ausrüstung anderer Art gebraucht, wie besonders große MRT-Geräte. An der Entwicklung diagnostischer Geräte mit hoher Tragelast wurde in den letzten Jahren intensiv gearbeitet.


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Mrz 132018
 

Bewegung und körperliches Training sind wesentliche Voraussetzungen, um Gesundheit und Lebensqualität im Alter aufrechtzuerhalten. Die Fachhochschule St. Pölten entwickelt gemeinsam mit Projektpartnerinnen und -partnern das IT-gestützte Trainingsprogramm „FitDaheim“, mit dem ältere Menschen zu Hause vor dem Fernseher trainieren können und zudem Gesundheitstipps erhalten.

Medizinischen Studien zufolge sinkt die Lebensqualität im Alter bei jedem/jeder Zweiten ab dem 60. Lebensjahr durch erste Bewegungseinschränkungen und ab dem 70. Lebensjahr durch deutliche Mobilitätseinschränkungen. Andere Studien belegen zudem, dass aktive Mobilität von älteren Menschen das Selbstwertgefühl, die Identität und vor allem die Selbständigkeit beeinflusst und auch soziale Teilhabe und Integration fördert. Durch Bewegung und den Erhalt der Mobilität wird auch die Eintrittswahrscheinlichkeit einer Altersdepression verringert.

Das Trainingsprogramm „FitDaheim“ soll älteren Menschen helfen, ihre Beweglichkeit länger zu erhalten. Das Programm läuft auf einem kleinen, an den Fernseher angeschlossenen Computer, und kann zu Hause durchgeführt werden. Eine virtuelle Trainerin oder ein virtueller Trainer, sogenannte Avatare, zeigen Bewegungsübungen unterschiedlicher Schwierigkeitsgrade und Anforderungen vor. Mit Hilfe von Sensoren wird überprüft, ob der/die Trainierende die Übung richtig ausführt. Mittels Feedbackszenarien und motivierenden Elementen wird das korrekte Ausführen der Übungen unterstützt. Zusätzliche Tipps zu einem gesunden und lebensbejahenden Lebensstil sollen zudem das Gesundheitsbewusstsein stärken.

Bewegung an der frischen Luft und daheim
„FitDaheim“ ist ein auf Prophylaxe abzielendes, physio- und ergotherapiebasiertes Trainingsprogramm. Das Programm soll ältere Menschen nicht von der Bewegung an der frischen Luft abhalten, sondern darüber hinaus unterstützen und die Beweglichkeit außer Haus durch zusätzliches Training länger erhalten.

„Bewegung in Form von Spaziergängen, Wanderungen und Radfahren fördert die Gesundheit, verlängert die durchschnittliche Lebensdauer um bis zu acht Jahre und verringert das Sturzrisiko. Trainingseffekte zur Aufrechterhaltung der bewegungsaktiven Muskulatur lassen sich bis ins hohe Alter nachweisen“, sagt Kerstin Lampel, Leiterin des Studiengangs Physiotherapie sowie Projektleiterin an der FH St. Pölten für das Projekt Train & Win, im Rahmen dessen das Trainingsprogramm „FitDaheim“ entwickelt wird.

Test in der Region Mühlviertler Alm
Im derzeit laufenden Projekt entwickelt und testet die FH St. Pölten gemeinsam mit dem Austrian Institute of Technology (AIT), der WPU GmbH, dem Center for Medical Statistics, Informatics and Intelligent Systems der Medizinischen Universität Wien, der Region Mühlviertler Alm und der Firma LIFEtool das Trainingssystem mit den Avataren.

Von Dezember 2017 bis April 2018 nehmen 30 Seniorinnen und Senioren in der Region Mühlviertler Alm an einem achtwöchigen IT-gestützten Fitnessprogramm und diversen Befragungen teil. Zehn von ihnen haben im vergangenen Jahr auch das Trainingsprogramm mitentwickelt und Prototypen getestet.

Am Ende der Pilotphase können die testenden Seniorinnen und Senioren die Benutzungsfreundlichkeit beurteilen und das Trainingsprogramm weiter mitentwickeln. Auch die Effekte auf Gesundheit und Lebensqualität der älteren Menschen werden ausgewertet.

Projekt Train & Win

Das Projekt wird vom Bundesministerium für Verkehr, Innovation und Technologie im Rahmen des Programms benefit gefördert. ProjektpartnerInnen sind das Austrian Institute of Technology (AIT), die WPU GmbH, das Center for Medical Statistics, Informatics and Intelligent Systems der Medizinischen Universität Wien, die Region Mühlviertler Alm und das Unternehmen LIFEtool.

Links:

https://www.fhstp.ac.at/de/forschung/projekte/train-win-trainieren-und-lebensqualitaet-gewinnen

http://fitdaheim.com

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